Pulpo II oder eine Seefahrt, die ist lustig
Nach
2 Jahren gemütlich den Rhein hochtuckern war klar: Ein neues Boot muss her.
Etwas grösser, etwas schneller, aber trotzdem charmant und
nicht alltäglich.
Gut, dass es das Internet gibt. Kurz gesucht und tatsächlich: Ein schönes altes
Holzboot gefunden. Bei der Besichtigung sieht es ja auch ganz nett aus und
läuft sogar. Warnungen betreffend alten Holzbooten in einschlägigen
Internetforen werden grosszügig und blauäugig verdrängt, schliesslich gefällt
mir das Boot einfach wirklich super J
Kurz
beim bieten noch einen Konkurrenten ausgestochen (Naja ganz so ein Schnäppchen
war’s danach nicht mehr, aber Hauptsache...) und schon kommt der Tag der
Überführung. Leinen los, voll tanken und ab die Post. Ein herrlicher Herbsttag,
ein neues Boot; was will man mehr.
Nach rund 30 Minuten sieht die Welt ein bisschen anders aus: Ein Knall, ein
bisschen Oel im Wasser und obwohl der Motor heult geht nichts mehr so richtig
voran.
Die erste Hoffnung, es sei wohl nur das Schaltkabel, entpuppt sich leider bald
als Wunschtraum des Eigners. Das Schaltkabel ist leider so ziemlich das
einzige, was noch funktioniert L. Also flugs einer Werft in
Romanshorn telefoniert, die uns sogleich in den Hafen schleppt.
Das sorgenvoll gefurchte Gesicht des Werftbesitzers und seine Bemerkungen (das
Boot hab ich doch schon mal gesehen, wollte mir auch einer andrehen etc.) trägt
auch nicht gerade zur Stimmung bei. Ausserdem muss ich erfahren, dass es für
meinen uralten, exotischen Z-Antrieb (BJ 1964 oder so) wohl kaum mehr Teile
gibt.
Nach ca. 2 Monaten rechere im Internet, telefonieren etc. hat schlussendlich
Oskar, ein Kollege von Mike die rettende Idee. Eine Werft in Konstanz kann
tatsächlich noch ein Z auftreiben. Also rauf auf den Trailer (nein, nicht auf
meinen, der ist nicht geeignet das Boot weiter als 2,5 Meter zu ziehen) und ab
nach Konstanz. Z-Antrieb ran, Motor revidiert, alles paletti und nicht mal
sooooo teuer (schön dass es rosa Brillen gibt).
Am
22.Dezember, einem herrlichen Wintertag, kann ich das Boot auf dem Seeweg von
Konstanz nach Schaffhausen überführen. Herrlich wie der Motor schnurrt und das
Getriebe flutscht. Alles einwandfrei. Zuversichtlich sehe ich dem Winter
entgegen, weil ich weiss ja, dass da noch ein, zwei kleine morsche Stellen auf
ihre Renovation warten..
Zum
Glück ermöglicht mir mein Bruder in einer beheizten Halle mit ca. 2 Millionen
Werkzeugen, Maschinen, Schrauben etc. das Boot zu renovieren. Echt ein
Heimwerker-Paradies. Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle.
Ein erster Augenschein mit dem Schraubenzieher zeigt dann bald, dass die
morschen Stellen geringfügig grösser sind als zuerst angenommen (ein Hoch auf
die rosa Brillen, siehe oben). Innert kürzester Zeit erinnert mich das Boot
doch eher an Katastrophenbilder des letzten Taifuns in der Karibik.
Unverdrossen kämpfe ich mich mit rund 2 Tonnen Epoxy-Harz durch die Löcher.
Habe viel über Bootsbauholz und die Handhabung und Mischung verschiedenster
Epoxy-Typen gelernt.
Auch die sorgenvollen Kommentare diverser Zuschauer (das Ding schwimmt doch nie
mehr, nenn es doch Titanic etc.) überhöre ich gekonnt J
Unglaublich
aber wahr: Nach nur wenigen Stunden Arbeit (rosa Brille, siehe oben und noch
weiter oben) und ein paar Franken Einsatz (rosa.. aber das sagte ich ja schon)
sieht das Boot wirklich aus wie neu.
Der grosse Tag ist da: Wir wassern ein!!! Ich glaube, seit meinen ersten
zaghaften Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, war ich nicht mehr so
aufgeregt. Motor an: Juhui es läuft. Nichts wie losgefahren. Doch dann, nach
wenigen Minuten: Ein Rauch, ein Gestank und keine Motorleistung mehr (auch das
erinnerte mich etwas an die ersten zaghaften Erfahrungen mit dem anderen
Geschlecht)...
Und
schon hatte ich wieder etwas gelernt: Niemals, aber wirklich niemals und auch
nicht nur für ein paar Sekunden den Motor trocken probelaufen lassen!!!!!!
Den Impeller hat es gleich zerbröselt. Das wär ja noch nicht so schlimm, wenn
man ihn dann sogleich wechseln würde (kostet wohl keine CHF 100.-). Die
nachfolgende Motorrevision inklusive Zylinderkopf schweissen usw. usw. konnte
man leider selbst mit der rosarotesten Brille nicht mehr als ganz günstig
bezeichnen.
Zweiter Stapellauf:
Dank der fachmännischen Reparatur einer bekannten lokalen Bootswerft ist dann
aber beim zweiten Versuch wirklich alles in Ordnung. Und man halte es kaum für
möglich: Wir fahren den ganzen Sommer glücklich auf Rhein und See ohne auch nur
einmal einen Schraubenschlüssel anzufassen!! Das Boot läuft einwandfrei und
macht richtig Spass.
Nur ein paar weitere morsche Stellen warten mittelfristig noch auf Reparatur.
Aber wie sagt man so schön:
Holzboote
sind nie ganz dicht, und ihre Eigner auch nicht J
Hier
noch ein paar Bilder: Arche
An
dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank allen, die mich mit Rat und Tat
unterstützt haben!